Monday, August 2nd, 2010
Die LanÂdesÂzenÂtrale für poÂliÂtiÂsche BilÂdung sagte die für den 5-7. AuÂgust in GroßÂhenÂnersÂdorf geÂplante TaÂgung mit dem TiÂtel "Erinnerungs- und GeÂdenkÂorte im DreiÂlänÂderÂeck PL-CZ-D" aufÂgrund manÂgelnÂder BeÂteiÂliÂgung von LehÂrern, MulÂtiÂpliÂkaÂtoÂren, ect. leiÂder ab.
Die VerÂanÂstalÂtung zielte nicht nur darÂauf, MenÂschen aus den drei LänÂdern zuÂsamÂmen zu brinÂgen, die sich proÂfesÂsioÂnell oder ehÂrenÂamtÂlich mit dem TaÂgungsÂthema ausÂeinÂanÂderÂsetÂzen, sonÂdern auch auf die WeiÂterÂgabe ihÂrer ForÂschungsÂerÂgebÂnisse an MulÂtiÂpliÂkaÂtoÂren.
Die Frage waÂrum sich nicht ausÂreiÂchend InÂterÂesÂsenÂten anÂgeÂmelÂdet haÂben, wird weÂniÂger vom ZeitÂpunkt und WetÂter, als auf die ÖffentÂlichÂkeitsÂarÂbeit zuÂrückÂzuÂfühÂren sein. Als überÂhöht empÂfinde ich auch die TaÂgungsÂpauÂschale von 80 Euro.
Der neue TerÂmin ist der 18.-20. NoÂvemÂber 2010. Bis daÂhin soll auch der TaÂgungsÂband herauskommen.
Tuesday, July 13th, 2010
Die UmÂweltÂbiÂblioÂthek GroßÂhenÂnersÂdorf verÂanÂstalÂtet am 05. bis 07. AuÂgust geÂmeinÂsam mit der SächÂsiÂschen LanÂdesÂzenÂtrale für poÂliÂtiÂsche BilÂdung die TaÂgung
"Erinnerungs- und GeÂdenkÂorte im DreiÂlänÂderÂeck PoÂlen - TscheÂchien - DeutschÂland"
in GroßÂhenÂnersÂdorf.
Es werÂden GeÂdenkÂorte und die akÂtuÂelÂlen GeÂdenkÂstätÂtenÂkonÂzepÂtioÂnen aus den drei LänÂdern vorÂgeÂstellt. VerÂanÂstalÂter von GeÂdenkÂstätÂtenÂfahrÂten und GeÂstalÂter beÂkannÂter und weÂnig beÂkannÂter GeÂdenkÂorte komÂmen ins GeÂspräch. Die verÂschieÂdeÂnen Erinnerungs- und GeÂdenkÂkulÂtuÂren werÂden präÂsenÂtiert und diskutiert.
Ich werde mich am FreiÂtag mit eiÂnem VorÂtrag über „BeÂrührÂpunkte mit den KZ-Außenlagern GörÂlitz und RenÂnersÂdorf 1944/45 und heute“ beÂteiÂliÂgen und wähÂrend der ExÂkurÂsion am SamsÂtag den unÂscheinÂbaÂren GeÂdenkÂort in RenÂnersÂdorf vorstellen.
NäÂhere InÂforÂmaÂtioÂnen soÂwie das ausÂführÂliÂche TaÂgungsÂproÂgramm sind auf der TaÂgungsÂseite zu finden.
Monday, July 12th, 2010
Seit fünf MoÂnaÂten exÂpeÂriÂmenÂtiere ich mit eiÂnem Tagebuch-Blog als BeÂstandÂteil meiÂner perÂsönÂliÂchen LernÂumÂgeÂbung. Im GeÂgenÂsatz zu öffentÂliÂchen Blogs wie dieÂsem hier, ist ein perÂsönÂliÂches Blog weÂder onÂline, noch für eine ZielÂgruppe beÂstimmt. Doch welÂche VorÂzüge hat ein diÂgiÂtaÂles TaÂgeÂbuch? Wie proÂfiÂtiere ich als LerÂnenÂder daÂvon? Und wie kann ich ein Blog-System als efÂfekÂtiÂves WerkÂzeug zum SchreiÂben einsetzen?
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Monday, July 5th, 2010
Ein drahtÂloÂser NetzÂzuÂgang ist in DeutschÂland für Gäste in CaÂfés, HochÂschuÂlen, JuÂgendÂherÂberÂgen und HoÂtels beÂreits selbstÂverÂständÂlich geÂworÂden. Diese EinÂrichÂtunÂgen hafÂten sinnÂvolÂlerÂweise nicht für die NetzÂnutÂzung ihÂrer Gäste, so wie die Post auch nicht für den InÂhalt von PaÂkeÂten haftÂbar geÂmacht wird.
Wenn ich mich jeÂdoch als PriÂvatÂperÂson gastÂfreundÂlich zeige und meiÂnen GäsÂten anÂbiete, DatenÂpaÂkete über mein WLAN-Vertriebsnetz in die weite Welt zu verÂschiÂcken, kann ich laut dem BGH-Urteil daÂfür zur ReÂchenÂschaft geÂzoÂgen werÂden. SchlimÂmer noch: die BeÂweisÂlast meiÂner UnÂschuld liegt bei mir. Glück hat, wer, wie der BeÂklagte, seine phyÂsiÂsche AbÂweÂsenÂheit wähÂrend der TatÂzeit durch UrÂlaub o.ä. beÂweiÂsen kann.
Treuglaube an siÂchere TechÂnik
NeÂben eiÂnem "VerÂgeÂhen geÂgen sich selbst" wird hier das "VerÂgeÂhen geÂgen anÂdere" anÂgeÂführt und dem StaatsÂbürÂger eine neue Pflicht auferlegt:
Auch PriÂvatÂperÂsoÂnen, die eiÂnen WLAN-Anschluss in BeÂtrieb nehÂmen, ist es zuÂzuÂmuÂten zu prüÂfen, ob dieÂser AnÂschluss durch anÂgeÂmesÂsene SiÂcheÂrungsÂmaßÂnahÂmen hinÂreiÂchend daÂgeÂgen geÂschützt ist, von auÂßenÂsteÂhenÂden DritÂten für die BeÂgeÂhung von RechtsÂverÂletÂzunÂgen missÂbraucht zu werÂden. Die ZuÂmutÂbarÂkeit folgt schon darÂaus, dass es reÂgelÂmäÂßig im wohlÂverÂstanÂdeÂnen eiÂgeÂnen InÂterÂesse des AnÂschlussÂinÂhaÂbers liegt, seine DaÂten vor unÂbeÂrechÂtigÂtem EinÂgriff von auÂßen zu schütÂzen. Zur VerÂmeiÂdung von UrÂheÂberÂrechtsÂverÂletÂzunÂgen durch unÂbeÂrechÂtigte Dritte erÂgrifÂfene SiÂcheÂrungsÂmaßÂnahÂmen am WLAN-Zugang dieÂnen zuÂgleich dieÂsem EiÂgenÂinÂterÂesse des Anschlussinhabers.
Das ArÂguÂment des SelbstÂschutÂzes ist m. E. für den FreiÂfunk hinÂfälÂlig, denn aus der BeÂreitÂstelÂlung eiÂnes ofÂfeÂnen NetzÂzuÂgangs folgt nicht, dass (a) der ZuÂgangsÂproÂviÂder dieÂsen auch selbst (unÂverÂschlüsÂselt) nutzt und (b) er daÂmit seine perÂsönÂliÂchen DaÂten preisgibt.
Wer wilÂlentÂlich oder adÂäquat kauÂsal die VerÂletÂzung geÂschützÂten Rechts herÂbeiÂführt und weÂder TäÂter noch OpÂfer ist, gilt laut DeÂfiÂniÂtion des BGH als StöÂrer und kann zur UnÂterÂlasÂsung geÂzwunÂgen werÂden.
Dem WLAN-Betreiber trifft die Pflicht sein WLAN einÂmal ordÂnungsÂgeÂmäß zu konÂfiÂguÂrieÂren. AbÂsurÂder Weise hatte der AnÂgeÂklagte sein WLAN mit eiÂner verÂgleichsÂweise siÂcheÂren TechÂnik (WPA1, 16-Stelliges ranÂdoÂmiÂsierÂtes PassÂwort) ordÂnungsÂgeÂmäß konÂfiÂguÂriert und fiel trotzÂdem eiÂnem Hack zum OpÂfer (oder doch nicht?). Es bleibt ofÂfen, welÂche PrüÂfungsÂpflichÂten zuÂmutÂbar sind und in welÂchem Maße sie ausÂzuÂfühÂren sind. VerÂalÂtete HardÂware kann man beiÂspielsÂweise nicht imÂmer siÂcher konÂfiÂguÂrieÂren, jeÂdoch sehr wohl wilÂlentÂlich einÂsetÂzen.
FragÂlich ist darÂüber hinÂaus die TragÂweite dieÂses UrÂteils, wenn etwa Windows-Nutzer als StöÂrer gelÂten, deÂren RechÂner als Teil eiÂnes Bot-Netzes agieÂren, Spam verÂsenÂden oder sich an DOS-Attaken beÂteiÂliÂgen. Wer seiÂnen PC nicht ausÂreiÂchend vor SchadÂsoftÂware schützt, hanÂdelt wilÂlentÂlich und kann adÂäquat kauÂsal geÂsetzÂwidÂrig handeln.
LöÂsunÂgen für den FreiÂfunk
Die Freifunk-Firmware baÂsiert auf dem OLSR-Protokoll und funkÂtioÂniert soÂmit im ad-hoc-Modus, statt nach dem Client-Server-Prinzip der übliÂchen Router-Konfiguration. Die ÜberÂtraÂgung zwiÂschen einÂzelÂnen KnoÂten in ad-hoc-Netzwerken lässt sich nicht diÂrekt verÂschlüsÂseln. Per se kann man mitÂtels der BaÂsisÂverÂsion der Freifunk-Firmware den AnÂforÂdeÂrunÂgen des BGH-Urteils nicht geÂrecht werÂden und auf komÂmende juÂrisÂtiÂsche AusÂeinÂanÂderÂsetÂzunÂgen sollte man besÂser nicht warÂten. GeÂsucht sind also techÂniÂsche oder juristisch-organisatorische LöÂsunÂgen, daÂmit geÂschützÂtes Recht, wie z.B. das UrÂheÂberÂrecht bzw. die AusÂnutÂzung desÂselÂben durch die MuÂsikÂinÂdusÂtrie, nicht verÂletzt werÂden kann. SolÂche LöÂsunÂgen braucht es um mitÂtels FreiÂfunk die DiÂgiÂtale GastÂfreundÂschaft für Notebook-Nomaden aufÂrecht zu halÂten und das bürÂgerÂschaftÂliÂche EnÂgaÂgeÂment für den FreiÂfunk nicht zu verspielen.
Für den FreiÂfunk erÂgeÂben sich meiÂnes ErÂachÂtens nur drei techÂniÂsche und eine orÂgaÂniÂsaÂtoÂriÂsche Lösung:
- WhiÂteÂlist: durch die ZuÂgriffsÂbeÂschränÂkung auf beÂstimmÂter IP-Adressen bzw. URLs lieÂßen sich GeÂsetÂzesÂkonÂflikte weitÂgeÂhend verÂmeiÂden. NachÂteil: Der FreiÂfunk wäre nicht mehr frei.
- ÖffentÂliÂche Proxy-Server: sämtÂliÂcher DatenÂverÂkehr erÂfolgt inÂdiÂrekt über eiÂnen Proxy, wie etwa Google TransÂlate. NachÂteil: Der ZuÂgang wird langsam.
- KomÂbiÂnaÂtion aus WhitÂlist und Proxy Server.
- Der FreiÂfunk agiert unÂter dem Dach eiÂner gröÂßeÂren OrÂgaÂniÂsaÂtion und stellt sich nach AuÂßen als BilÂdungsÂeinÂrichÂtung dar.
InÂnerÂhalb der ZitÂtauer Freifunk-Initiative werÂden diese LöÂsungsÂmögÂlichÂkeiÂten beÂreits seit länÂgeÂrem disÂkuÂtiert. UmÂständÂlich sind sie allemal.
Sunday, June 20th, 2010
Am 22. Juni soll auf dem GörÂlitÂzer FriedÂhof die GrabÂanÂlage für 67 soÂwjeÂtiÂsche ZiÂviÂlisÂten einÂgeÂweiht werÂden. Die seit 1945 naÂmenÂloÂsen und unÂkenntÂliÂchen GräÂber sind nun mit NumÂmernÂsteiÂnen und zum Teil mit GeÂdenkÂplatÂten verÂseÂhen. EveÂlin Mühle, die LeiÂteÂrin der städÂtiÂschen FriedÂhofsÂverÂwalÂtung, will daÂmit " über das SchickÂsal von 67 unÂbeÂkannÂten soÂwjeÂtiÂschen ZiÂviÂlisÂten [...] inÂforÂmieÂren", beÂrichÂtet die SächÂsiÂschen ZeiÂtung.
WeiÂtere soÂwjeÂtiÂsche ZiÂviÂlisÂten sind darÂüber hinÂaus auf dem JüÂdiÂschen FriedÂhof zu GörÂlitz beÂgraÂben. Auch ihre NaÂmen sind uns nicht beÂkannt. Sie wurÂden wähÂrend der letzÂten WoÂchen des ZweiÂten WeltÂkrieÂges im GörÂlitÂzer KZ-Außenlager von der GeÂstapo und/oder SS hinÂgeÂrichÂtet und zuÂsamÂmen mit den zuÂmeist jüÂdiÂschen OpÂfern aus dem LaÂger auf dem JüÂdiÂschen FriedÂhof in MasÂsenÂgräÂbern verÂscharrt. Erst 1948 exÂhuÂmierte die GörÂlitÂzer KriÂmiÂnalÂpoÂliÂzei die 173 LeiÂchen aus den MasÂsenÂgräÂbern und verÂanÂlasste eine UmÂbetÂtung in die heute noch exisÂtenÂten GräÂber auf dem zur Zeit wild beÂwachÂseÂnen JüÂdiÂschen Friedhof.

Der 1951 einÂgeÂweihte GeÂdenkÂstein erÂinÂnert als einÂziÂges ZeugÂnis an diese und weiÂtere nicht naÂmentÂlich erÂwähnte Tote auf dem Friedhof:
- 111 UrÂnen von HäftÂlinge des KZ-AL GörÂlitz (NaÂmen bekannt)
- 37 UrÂnen von HäftÂlinÂgen der KZ-Außenlager Niesky, HautÂzen und HartÂmannsÂdorf (NaÂmen bekannt)
- 173 Tote aus den MasÂsenÂgräÂbern auf dem JüÂdiÂschen FriedÂhof (unÂbeÂkannte
Personen)
- 2 GörÂlitÂzer HäftÂlinge, die (wahrÂscheinÂlich) in RenÂnersÂdorf
starÂben (unÂbeÂkannte Namen)
Auf dem GeÂdenkÂstein heißt es:
"Hier ruÂhen 323 erÂmorÂdete KaÂmeÂraÂden / die im KonÂzenÂtraÂtiÂonsÂlaÂger / BiesÂnitÂzer Grund GörÂlitz / in den JahÂren 1943-1945 der HitÂler TyÂranÂnei zum OpÂfer fielen [...]".
148 NaÂmen von OpÂfern sind der FriedÂhofsÂverÂwalÂtung seit 1948 beÂkannt und inÂzwiÂschen auch von HisÂtoÂriÂkern puÂbliÂziert (u.a. Kurt Wolf). Nur 286 der OpÂfer steÂhen jeÂdoch in ZuÂsamÂmenÂhang mit dem KZ-Außenlager Görlitz..
WaÂrum könÂnen wir dort keine NaÂmen leÂsen? Wie könÂnen wir OpÂfern mit eiÂnem Stein geÂdenÂken, ohne ihre NaÂmen leÂsen zu könÂnen? Wem soll man geÂdenÂken, wenn der GeÂdenkÂstein seit seiÂner ErÂrichÂtung die WahrÂheit verÂschweigt, weÂder die HerÂkunft der OpÂfer beÂnennt, noch deÂren IdenÂtiÂtät aufÂklärt? Wo sind die NumÂmernÂsteine, wo die einÂzelÂnen GräÂber? Wie solÂlen AnÂgeÂhöÂrige der OpÂfer das KadÂdisch sprechen?

Ein NachÂfahre eiÂnes OpÂfers, der selbst die Shoa überÂlebte, musste selbst Hand anÂleÂgen, um für seiÂnen VaÂter beÂten zu könÂnen. Es ist trauÂrig auf diese Art geÂzeigt zu beÂkomÂmen, wie wir in den letzÂten 65 JahÂren keiÂnen anÂgeÂmesÂseÂnen RahÂmen für das GeÂdenÂken an die OpÂfer schafÂfen konnten.